Um mal ganz vorne anzufangen ... ich bin die Tage mal ein paar Kilometer um den Ort gefahren. Nach Fahrtende hatte ich an der linken Motorseite einen Roststreifen der vorher nicht da war. Aus vorherigen Gesprächen wußte ich das die Horex aus konstruktiven Gründen (Platzmangel) keine Wasserablaufbohrung in den Kerzenlöchern hat. Nachdem ich diesen großen Fleck aus Rostwasser (Dampf) bei mir gesehen hatte ist mir sofort der Tread von Ansgar eingefallen. Hier nachzulesen Da ich 7500 Km drauf habe und bei 10.000 Km sowieso die Kerzen gewechselt werden müssen habe ich das Scheißwetter zum Anlaß genommen und einen Schraubertag eingelegt.
Gesagt getan. Zu erst den Tank an den zwei Schrauben unter der Sitzbank und von unten unter dem Lenkkopflagerkreuz gelöst. Die beiden Kabel der Benzinpumpe und des Tankgebers gelöst sowie die Benzinschlauch Schnellentriegelung gelöst. Jetzt noch die beiden Schläuche der Tankentlüftung und des Tankklappenüberlaufes gelöst und schon lag er neben dem Mopped.
Jetzt wo der Tank runter ist sieht man direkt auf den Luftfilterkasten. Vorne links ist eine Druckluftschraubverbindung wie man sie aus dem Maschinenbau kennt. Die löst man mit einem 15er Maulschlüssel. Sobald man jetzt noch die zwei offensichtlichern Steckerverbindungen und die umlaufenden Schrauben gelöst hat kann man das Oberteil abnehmen.
Den Deckel auf die Seite gelegt kann man den Luftfilter ausheben. In Fahrtrichtung vorne links ist ein Sensor. Dessen Stecker man löst und den angeschlossenen Schlauch zieht man ab. In Fahrtrichtung vorne mittig ist die Motorentlüftung. Die muß auch ab. Jetzt noch die 12 Schrauben (je 2 pro Ansaugtrichter) gelöst und schon kann man das Luftfilterkastenunterteil abnehmen und schaut direkt auf das offene Herz. Bild entfernt (keine Rechte)
Wenn man jetzt voraussetzt das es bei der Horex wie bei jedem Motor ist (Franzosen mal ausgenommen). Dann zählen wir die Zylinder beginnend gegenüber der Kraft abgebenden Seite. Zylinder 6 ist recht eng. Zylinder 5 geht recht gut Zylinder 4 geht nur wenn man vorher das Can-Bus Steuergerät löst. Zylinder 3 geht noch am besten von allen Zylinder 2 ist recht eng und Zylinder 1 ist eine Odyssee.
Also Zylinder 2 - 6 gehen mehr oder minder beschissen mit gutem Werkzeug und ein vernünftigen Lampe zu wechseln. Zwar etwas fuddelig aber mit 5-fach gebrochenen Fingern, 2-3 Bier und einer guten Pfeife ist das zu lösen. Wirklich beschissen ist der Problemzylinder Nr.1. Nicht nur das es der Zylinder ist, der mir den Rostfleck beschert hat. Es stellte sich heraus das der Kerzenschacht mit Wasser vollgelaufen war. Außerdem geht die Zündspule nicht raus ohne das man die Ansaugbrücke anhebt. Bild entfernt (keine Rechte)Bild entfernt (keine Rechte) Bild entfernt (keine Rechte)Bild entfernt (keine Rechte) Bild entfernt (keine Rechte)Bild entfernt (keine Rechte) Um die Ansaugbrücke anheben zu können muß man die Schellen der Verbindungsgummis lösen. Das geht recht einfach mit einem Lüsterklemmenschraubendreher. Das spätere ansetzen der Schelle ist dann schon etwas problematischer. Schwierig aber nicht unmöglich.
Fazit: Wie sich im Nachhinein herausstellte hatte sich Wasser im Kerzenloch des ersten Zylinders angesammelt. Beim ersten warm werden des Motors ist das Wasser in dem Loch aufgekocht und plötzlich unter hohem Druck entwichen (ähnlich dem Sicherheitsventil eines Schnellkochtopfes). Fazit war der Rostwasserfleck. Jetzt ergibt der oben angegebene Defekt vom Ansgar auch einen Sinn. Die Stabzündspüue ist einfach unter dem Druck, der Hitze und dem Wasserdampf kollabiert.
Alle meine Kerzen waren zu locker und ohne Kupferpaste eingesetzt worden. Da es keine Kerzen mit konischem Dichtgewinde sondern mit einem Dichtring sind. Dreht man sie zuerst handfest bei. Nun nimmt man die Ratsche und dreht mit Gefühl die Umdrehung bei der man merkt das der Dichtring sich verquetscht. Jetzt tritt ein spürbarer Widerstand auf. Jetzt sollte man mit Feingefühl nochmal etwas nachsetzen. Ich kann hier leider kein Drehmoment angeben da ich in der Horex Drehmomentliste keines gefunden habe. Da ich mal Automechaniker gelernt habe und schon unzählige Zündkerzen gewechselt habe vertraue ich auf mein Unterarm Drehmomentgefühl.
Gedauert hat der Spaß gute 4 Stunden. Einem Laien würde ich davon abraten da man durch Unwissenheit zu viel kaputt machen kann. Einem versiertem Schrauber bzw. Hobbyschrauber traue ich das schon zu. Wobei ich darauf hinweisen möchte das beim raushebeln der Stabzündspulen einiges schief laufen kann. Beim lösen der Steckverbindung haben mir 2 chirurgische lange Aderklemmen gute Dienste geleistet.
Mir ist schon etwas komisch bei dem Gedanken, das ich hier in einer Rakete sitze, welches aus den Zuschlägen an den billigsten Anbieter entstanden ist. Zitat von Neil Armstrong (Erster Mensch auf dem Mond)
Hallo Dieter,
hast du eventuell bei der Stilllegung im Herbst das Moped gewaschen und danach nicht mehr trocken gefahren, oder hast du eine andere Erklärung für den Wassereinbruch?
Viele Dank jedenfalls für deine Information, ohne dich währen wir ganz schön aufgeschmissen.
V.G.
Hans
Naja, danke für das Lob. Aber wenn es mich nicht gäbe, gäbe es einen anderen. Ich bin da sicher kein Einzelfall.
Ich gehe mal ganz stark davon aus das es im Herbst soweit gekommen ist. Denn den Winter über stand es ja im Museum und da wurde es nicht naß. Außerdem glaube ich auch nicht das die Kerzen in so kurzer Zeit so arg rosten können.
Die Vermutung liegt also nahe das es von der Saisonabschlußwäsche ist.
Um da eine gewisse Regelmäßigkeit erkennen zu können benötige ich Rückmeldung von anderen Kerzenwechslern bzw. Info´s über weitere abgekackte Zündspulen.
Mir ist schon etwas komisch bei dem Gedanken, das ich hier in einer Rakete sitze, welches aus den Zuschlägen an den billigsten Anbieter entstanden ist. Zitat von Neil Armstrong (Erster Mensch auf dem Mond)
so hat man seinen Spaß mit exotischen Mopeds. Ich werde mir die Aktion auch mal gönnen, bin gespannt wie es bei mir "unterm Tank" aussieht. Bei der Gelegenheit werde ich mal prüfen, wo die Zündspulen zu bekommen sind. Der Hersteller BERU ist in diesem Bereich stark vertreten. Von meinen Italo- Mopeds kenn ich schon die Problematik, € 100,- für eine Spule sind die Regel, auch wenn im Zubehör gekauft wird. Ich werde mich kümmern und berichten. Für alle Fälle ( ein verregneter Schottland - Urlaub for examble) kommt mir so ein Ding unter die Sitzbank.
Dann erstmal Grüße aus Alzey und viel Vergnügen beim Fingerverbiegen....
Mir ist schon etwas komisch bei dem Gedanken, das ich hier in einer Rakete sitze, welches aus den Zuschlägen an den billigsten Anbieter entstanden ist. Zitat von Neil Armstrong (Erster Mensch auf dem Mond)
die verrottete Kerze sieht ja ganz schön schei..... aus. Wie ja schon besprochen kenn ich das Problem von meiner Benelli TreK 1130. Da laufen auch bei Regenfahrten die Kerzenschächte voll Wasser und dann haut es die Zündspulen durch. Auch dort gibt es keine Lösung mittels einer Ablaufbohrung für eingetretenes Wasser. Wir haben uns dann mit Silikon beholfen und damit die Stecker abgedichtet. Funktioniert ganz gut. Eine vernünftige Lösung sieht allerdings anders aus....
Ich habe mir auch angewöhnt meine Fahrzeuge regelmäßig mit WD40 einzusprühen. Die Metallflächen müssen nach Wasserkontakt unbedingt gepflegt werden. WD40 verdrängt auch Feuchtigkeit, hat allerdings keine Chance wenn der Schacht voll Wasser steht....
Was mir dann noch Sorgen macht ist das alle Deine Kerzen wohl nicht richtig angezogen waren. Ich glaube da hilft alles nichts. Tank runter und nachschauen.... Vielleicht ist es ja dann möglich das Problem mit nicht vorschriftsmäßig angezogenen Zündkerzen einzelnen Motorenbaugruppen zuzuordnen.....???
VG Roland
Auf alle Fälle werde ich vermeiden das mein Moped mit Wasser in Berührung kommt. Zum Reinigen gibt es ja auch Alternativen.
heute sind die Motoren bei den Autos verkapselt mit riesengen Plastikhauben.
In den siebziger und achtziger gab es auch das Problem mit Wasser.
Da wurden Zündkerzenstopfen als gute Alternative verwendet.
Vielleicht gibt es was im Zubehör was passen könnte mit wenigen Handgriffen.
Bild entfernt (keine Rechte)
Gruß Dietmar
Das Schicksal hat Dich angelacht und Dir ein Geschenk gemacht: Eine Horex VR6
Die Stabzündspulen sind schon mit einer 3-fach Dichtlippe ausgestattet. Für ein Zusatzbauteil ist wenig Platz und es verkompliziert den Einbau noch mehr. Eine zusätzliche O-Ringlösung direkt an der Zündspule könnte ich mir vorstellen. Eine weitere Dichtabdeckung würde mir auch sorgen im Bezug auf die Wärmeabfuhr bereiten. Mal abgesehen davon glaube ich das eine Dichtung für die Dichtung nicht den nötigen Effekt erzielt. Der Ventildeckel ist so hergestellt ... das genau an der Stelle eine Art Wanne entsteht in der sich das Wasser sammelt und stehen bleibt. Der tiefste Punkt in der Wanne ist das Kerzenloch.
Es ist nicht so das ich bei einer Lösung schon resigniert hätte, aber die Voraussetzungen für eine vernünftige Lösung sind denkbar schlecht. Zumal das Gummi der Zündspule durch die Hitze und die Jahre sicherlich spröder wird und weiter an Spannung verliert.
Übrigens, nachdem ich heute so rumgejammert habe wegen der Schellen der Ansaugbrücke ... hat mein Freund Mike sich erbarmt und hat mir einer seiner Spezialzangen aus seinem Werkzeugfundus vermacht. Ich denke mal damit kann ich die Zündkerzenwecheseldauer auf 3 Std drücken. Hier mal ein Bild der Zange. Es ist die Rote. Bild entfernt (keine Rechte)
Und ... Mike ... DANKE DAFÜR.
Mir ist schon etwas komisch bei dem Gedanken, das ich hier in einer Rakete sitze, welches aus den Zuschlägen an den billigsten Anbieter entstanden ist. Zitat von Neil Armstrong (Erster Mensch auf dem Mond)
danke für die Info. Ich denk schon den ganzen Tag über eine Lösung des Problems nach. Nun auch noch eine Wanne in der das Wasser stehen bleibt. Du machst es einem nicht gerade leicht....
Wenn dort wie Du schreibst schon drei Dichtlippen sind macht eine vierte auch wenig Sinn. Damit dürfte der zusätzliche Dichtring gestorben sein. Ich überlege ob es Sinn macht den Schacht teilweise mit einem fettartigen Schmiermittel zu füllen. Sobald der Motor Betriebstemperatur hat würde dieses "Fett" sich verflüssigen und eingedrungene Feuchtigkeit verdrängen. Verloren gehen kann das "Fett" ja nicht, sind ja drei Dichtringe oben an der Zündspule....
In meiner Freizeit restauriere ich Oldtimer. Da ist das Thema Rost ja allgegenwärtig. Wenn man verhindern will das die braune Pest sich dort ausbreitet werden alle Hohlräume mit speziellen Fetten gefüllt. Ich habe mich bei meinen Fahrzeugen für Fluid Film entschieden. Wird auf natürliche Weise aus Wollfett gewonnen und lässt sich leicht verarbeiten. Gibt es in unterschiedlicher Viskosität von dünnflüssig bis steifen Fett. Dieses Zeug hat eine enorme Kriechwirkung und lässt sich bei Bedarf leicht wieder entfernen. Ich könnte mir vorstellen das das eine zumindest vorübergehende Lösung sein kann. Bin gespannt auf alle Kommentare....
Hallo Dieter,
im Beitrag "Gruß aus dem Emsland #10" ist bei der Motorabdichtung im Werk Augsburg auch der Ventildeckel getauscht worden. Eventuell wurde das Problem mit dem Eindringen von Wasser in die Zündkerzenlöcher erkannt und durch eine neue Form des Ventildeckel behoben.
V.G.
Hans
du bist ja ein wandelndes Lexikon. Ich hatte das zwar auch gelesen gehabt ... konnte mich da aber nicht dran erinnern. Da muß ich doch mal versuchen rauszufinden was das mit den Zündspulen und dem Ventildeckel auf sich hat. Ventildeckel könnte ich mir vorstellen wegen der Ventildeckeldichtung. Zündspule keinen Plan was da los war.
Mir ist schon etwas komisch bei dem Gedanken, das ich hier in einer Rakete sitze, welches aus den Zuschlägen an den billigsten Anbieter entstanden ist. Zitat von Neil Armstrong (Erster Mensch auf dem Mond)
Moin Ja das stimmt so hat mir mein Händler das gesagt anderer Ventieldeckel und geänderte Zündspulen aber leider gab es von Horex nichts schriftliches kein Protokoll von dem was genau gemacht wurde. Gruß Guido
Hatte mich auch schon gewundert wegen der "Wanne". Soweit ich das bei meinem Moped sehen kann ist dort keine Wanne zu sehen. Ich hab allerdings auch eine aus der letzten Fertigung
Wenn das wirklich so sein sollte das es da abhängig von der Bauzeit unterschiede gibt wäre es nach meiner Meinung wichtig diese Informationen zu speichern.
Das würde auch die Annahme begründen, es gäbe 3 (?) unterschiedliche Ventildeckeldichtungen, wenn es denn schon verschiedene Ventildeckel gibt. Ich glaube, dass ich meinen Tank auch mal abbauen werde. Ich habe vor, mir ein paar Dichtungen auf Reserve zu legen. Ich hatte von dem HOREX Motorenbauer, der an meiner VR6 die Totalrevision durchgeführt hat, erfahren, die Ventildeckeldichtung sei dreiteilig. Jetzt noch verschiedene Varianten? Auweia, wat denn nun??